Vern e.V.

Besuch des Vereins für die Erhaltung und Rekultivierung von Nutzpflanzen in Brandenburg

von Jannis Hülsen
28.08.2018
 

Gedanken und Impressionen:

Es ist einer der letzten Tage im August. Die Sonne scheint und wir werden gebeten, uns auf dem Weg in den Garten einen Apfel vom Baum zu nehmen. Mit einem vorzüglichen Apfelgeschmack im Mund setzen wir uns im Garten auf den Boden.

Es blüht, surrt und summt überall. Vor uns breiten sich unterschiedliche Beete mit verschiedenen Karotten, Salaten, Kartoffeln, Gräsern und anderen Nutzpflanzen aus. Ich habe vorher noch nie Salat oder Karotten blühen sehen.
Wir unterhalten uns mit einer Mitarbeiterin des Vern über Saatgut.

Ich habe sofort die Tütchen mit Samen aus dem Baumarkt im Kopf. Langsam erinnere ich mich, dass meine Oma, die selbst einen kleinen Obst- und Gemüsegarten hinter dem Haus hatte, in ihrem Geräteschuppen immer eine Kiste mit Saatgut aufbewahrte. Mir erscheint es logisch, dass man nicht alles aufessen sollte, wenn man im nächsten Jahr wieder Pflanzen anbauen möchte.
Wie wählt man die Pflanzen aus, die im nächsten Jahr wachsen sollen? An den Blüten oder Samen erkennt man ja nicht, wie später die Früchte aussehen werden.

Im Garten begegnet uns ein Pärchen. Beide sind Vereinsmitglieder. Der Mann erzählt die Geschichte einer Bohnensorte: Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Cherokee wie viele andere Stämme aus ihren fruchtbaren Stammesgebieten vertrieben und in Reservaten angesiedelt. Sie nahmen sich von dort unterschiedliches Saatgut mit. Unter anderem eine schwarze Bohnensorte, die sie „Trail of tears“ nannten-den Pfad der Tränen.

Neben Bohnen interessiert sich der Herr auch sehr für Tomaten, die wir dann gemeinsam begutachten. Im Gewächshaus bin ich über die Vielfalt überrascht, die sich als Tomate überschreiben läßt. Die Formen und Geschmäcker sind sehr sehr unterschiedlich. Mir wird klar, wie stark mein Bild von den Archetypen im Supermarkt geprägt ist. Für mich ist dies alles neu, obwohl es im Prinzip alt ist. Was mir bewußt wird, ist, dass auch diese Vielfalt gepflegt werden muss. Ich bekomme ein Gefühl wie viel Zeit aufgewendet werden muss und wie viel Wissen notwendig ist, um eine „Sorte“ zu züchten und diese „rein“ zu halten.